Donnerstag, 4. Januar 2018

Tibet

Tibet

Nur so ab ovo mein persönlich gefärbter Stimmungsbericht von einer Tibet-Kundgebung
anlässlich der Olympischen Spiele im vergangenen Jahr:

Ein schöner Sommerabend. Touristen gingen spazieren, saßen in den Cafes und auf den freien
Bänken. Die Sonne schien, verschwand aber schon ein wenig hinter dem Brandenburger Tor
 und verlieh der Quadriga einen Strahlenkranz. Richtung Westen sah man durch die Säulen die
Siegessäule, da stand Obama neulich. Als ich Richtung Osten blickte sah ich den mächtigen
Glockenturm des Roten Rathauses. Links von mir die französische Botschaft, rechts die
Akademie der Künste, das Hotel Adlon und ein Stückchen weiter die russische Botschaft.
Auf den Gebäuden wehten Fahnen. Für mich ein beeindruckender Platz. In seiner Mitte stand
eine Gruppe von Mensch, viele von ihnen mit Fahnen in der Hand - mit der tibetischen Fahne.
Der auffrischende Wind blähte die Fahnen eindruckvoll auf. Wort- und Liedfetzen drangen zu mir
 herüber, vermischten sich mit dem Schnattern der Touristen und dem Rauschen der Springbrunnen.
Ganz zart schwebte eine Melodie über den Platz. Kerzen wurden angezündet. Ihr Licht flackerte im
Wind. Es war auf eine merkwürdige Art ruhig und friedlich auf diesem sonst so lauten Platz. Ich blickte
 noch einmal hoch zur Quadriga. Vor diesen kolossalen Bauten wirken wir Menschen richtig klein.
Ich dachte an die Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele und wie kalt mich diese perfekten
Inzenierungen immer gelassen haben. Dieses Häufchen Menschen, eingekesselt zwischen all den
prächtigen Bauten - das hat in mir eine verlorengegangen geglaubte Saite erklingen lassen
- das hat mich bewegt. Macht und Ohnmacht - und die Frage, auf welche Seite man sich stellt.
Ich schaute mich noch einmal um. Die Schatten waren länger geworden - die Erde hatte sich
weitergedreht ...

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