Donnerstag, 4. Januar 2018

Earth is coming up ..

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Dreihundertachzigtausend Kilometer von der Erde entfernt. Zweihundert Kilometer unter ihnen die wüste Oberfläche des Mondes. Vor 75 Stunden und 47 Minuten haben sie die Erde verlassen. Es ist der 24. Dezember 1968: Heiligabend in der Mondumlaufbahn. Zum dritten Mal haben die drei Astronauten in ihrer kleinen Kapsel den Mond jetzt schon umrundet. Der Kommandant Frank Bormann hat die kleine Nußschale zur Mondoberfläche ausgerichtet. Die beiden Piloten James Lovell und William Anders blicken aus ihren Bullaugen auf die Oberfläche. Sie erkunden das Terrain für die im nächsten Jahr vorgesehene Mondlandung. Routine, hundertmal auf der Erde trainiert! Jeder Handgriff sitzt! Zu Beginn der vierten Umrundung dreht der Kommandant die kleine Kapsel in Flugrichtung, um anhand der Gestirne eine genaue Postitionsbestimmung vornehmen zu können. Langsam schiebt sich der Mondhorizont vor die Bullaugen der Kapsel. Ein grauer Streifen, scharf abgegrenzt vom unendlichen Schwarz des Weltalls. Plötzlich, nach 75 Stunden, 47 Minuten und 30 Sekunden kommt in der Enge der Kabine Hektik auf: "Oh my God!", ruft einer der Astronauten. Alle reden durcheinander.Im Transskript der Bordkommunikation heißt es an dieser Stelle: 075:47:30 Anders or Borman (onboard). "Look at that picture over there!" Über den öden Horizont des Mondes schiebt sich ein weiß-blauer Streifen, in dessen Widerschein eine blaue Kugel auftaucht, Wie eine winzige Murmel wirkt sie, aus der Entfernung nicht viel größer als ein Daumennagel. "Here's the Earth coming up. Wow, is that pretty!" Bormann greift nach einer Kamera. "Hey, don't take that, it's not scheduled",scherzt einer der anderen Astronauten. Der Kommandant lacht nur;er hat bereits abgedrückt. Ihm fällt an, dass sich in dem Apparat nur ein Schwarz-Weiß-Film befindet. "Hast du einen Farbfilm, Jim?", fragt er. "Schnell, gib mir 'nen Farbfilm!" "Oh Mann, ist das herrlich!" "Komm, komm, nun mach schon!" "Hast du's?" "Ich suche noch." "Schneller!" "Ich glaub', wir haben's vermasselt!" "Hey, ich hab's, hier!" "Komm hier her an mein Fenster, das ist etwas klarer!" "Hast du's?" "Yep." "Gib sie mir rüber, rasch!" "Beruhige dich, Lovell." "Was für ein wunderschönes Bild!" Schließlich ist es Wiliam Anders, der das Bild der aufgehenden Erde in Farbe fotografiert. Ein Bild, welches alles verändert. Ein Bild, das zeigt, wie klein die Erde eigentlich ist, wie verloren sie im schwarzen Nichts des Alls wirkt. Eine blau marmorierte Kugel, gespickt mit gelben und braunen Tupfern. Von all dem Grün, das uns Menschen als lebensstiftend gilt: Aus dem Weltall ist es nicht zu erkennen, auch nicht die lebenspendende Atmosphäre. Die Schutzhülle der Erde ist viel zu dünn, um sie wahrnehmen zu können. Eine Insel des Lebens in der Weite des Universums, die aus dieser Perspektive noch viel unbegreiflicher wirkt, so verletzlich! Die drei Astronauten waren aufgebrochen, eine fremde Welt zu erforschen, doch was in Erinnerung bleibt, ist das Bild der aufgehenden Erde! An jenem heiligen Abend des Jahres 1968 melden sich die Raumfahrer zu einer Fernsehübertragung. "Für alle Menschen auf der Erde hat die Besatzung von Apollo 8 eine Botschaft, die wir Euch senden möchten." Dann lesen sie die Schöpfungsgeschichte aus dem Alten Testament: "Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser ..." Ihre Ansprache endet mit den Worten:"Wir schließen mit einem gute Nacht, viel Glück, frohe Weihnachten und Gottes Segen für euch alle, euch alle auf der guten Erde."

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